Der Sohn eines Arbeiters, der an die Stelle des Kaisers trat

Ortsverein

Gedenken zum 90. Todestag Eberts

Krumbach. (wb) Der 90. Todestag von Friedrich Ebert war für den SPD-Kreisverband Neckar-Odenwald Anlass für eine Gedenkfeier, bei der man nicht nur des 1925 verstorbenen ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gedachte, sondern ins Jahr 1935 zurückblickte, als die damaligen Machthaber Eberts früheres Denkmal in Krumbach zerstören ließen.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Limbach, Valentin Kern, ging detailliert auf Eberts Lebenslauf ein und unterstrich die Bedeutung des 1871 in Heidelberg geborenen Politikers für die deutsche Geschichte. Kerns vorgetragene Ebert-Vita schloss mit dem Hinweis, dass nach Eberts Tod in Krumbach das erste Denkmal für ihn errichtet wurde, welches jedoch die Nationalsozialisten 1935 entfernen ließen, weil sie in Ebert einen Vaterlandsverräter sahen. Ehe ein neuer Gedenkstein von der Gemeinde Limbach im Zusammenwirken mit dem Krumbacher Ortschaftsrat errichtet wurde, dauerte es bis zum 22. September 1996.

Bürgermeister Bruno Stipp lobte die örtlichen Sozialdemokraten, die das Andenken jenes Mannes bewahren, dessen Wurzeln im Odenwald liegen. Stipp erinnerte auch an die einfachen Verhältnisse, aus denen Ebert stammte. Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel (SPD) erinnerte an ihren Besuch in Heidelberg in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte und empfahl jedem, dorthin zu gehen.

Großer Sozialdemokrat
 

Landtagsabgeordneter Georg Nelius (SPD) befasste sich mit Friedrich Ebert als "Sohn des Arbeiterstandes", wie Ebert sich selbst nannte. Er sei ein "typischer Spätentwickler" gewesen, dem von seinen Ausbildern geraten worden war, sich um eine Meisterausbildung oder ein Studium zu bemühen.

Ebert Heimat sei geografisch Bremen gewesen, politisch die Sozialdemokratie. "Da war er ein Vermittler", so Nelius. Dies zeige sein Lebenslauf. "Ein sozialdemokratischer Arbeitersohn löste machtpolitisch gesehen den Kaiser ab. Ein Sattlerlehrling mit Eltern aus dem Odenwald, der nur zur Volksschule gegangen ist. Eine Sensation", betonte der Abgeordnete. Zum Staatsmann mit Odenwälder Wurzeln nahm schließlich noch der SPD-Kreisvorsitzende Jürgen Graner Stellung und zeigte sich bewegt über diese Veranstaltung zum Gedenken an einen großen Sozialdemokrat.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 09.03.2015

 
 

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